Neue Porträts früherer Bürgermeister eingeweiht. Eine Mahnung an heutige Verantwortungsträger. Klassische Ölgemälde von Rafael Ramírez Máro.

Von Jürgen Lange

Stolberg. „Ich habe ein Privileg“, sagt ein schmunzelnder Wolfgang Hennig: „Ich hänge schon und lebe noch“. Der erste hauptamtliche Bürgermeister der Kupferstadt (1997-99) zeigt sich sehr zufrieden mit der Arbeit von Professor Rafael Ramírez Máro. Es war die Aufgabe des Kurators der Artibus-Ausstellungen auf der Burg und Leiter des nach ihm benannten Kulturinstitutes im ehemaligen Headquarter General Eisenhowers in Hauset, die Galerie der Portraits Stolberg Bürgermeister im Foyer des Ratssaales zu komplettieren.

Vertikal statt horizontal

„Keine leichte Aufgabe“, gesteht der Künstler, als die Portraits im Kreise der Ratsmitglieder enthüllt werden. Kleine, alte Photographien hat Ramírez Máro umgesetzt in klassische Ölmalerei, die dem Stil der vorhandenen Portraits aus der Feder des legendären Stolberger Künstlers Bert Stollenwerk entsprechen.
Auch das Porträt von Bürgermeister Hermann-Josef Kaltenborn (1979-89) fügt sich nun in die Reihe der mittlerweile acht gezeigten klassischen Gemälde harmonisch ein.
Der Applaus zeigt, dass die Werke gelungen sind. „Anderenfalls wäre ich auch gegangen“, sagt Wolfgang Hennig mit Augenzwinkern. Der 80-Jährige ist mit Ehefrau Helga einer der Ehrengäste, die Tim Grüttemeier neben Else Voß-Fischer und Kathrin Fischer, Ehefrau und Tochter des 2007 verstorbenen letzten ehrenamtlichen Bürgermeisters Hans Fischer (1994-97) begrüßt.
„Die Amtszeiten von Hans Fischer und Wolfgang Hennig fallen in eine für Stolberg sehr bedeutende Zeit“, so würdigt der Bürgermeister, „denn sie markieren den Übergang von den ehrenamtlichen zu den hauptamtlichen Bürgermeistern“. Ein Umstand, den auch Hennig aufmerksam goutiert. Neben dem Bild des legendären Bürgermeisters Bernhard Kuckelkorn (1952-79) ist Hermann- Josef Kaltenborn zu finden, der zuvor Kuckelkorns Stellvertreter war. Gleiches gilt fürWolfgang Hennig,
der als Kaltenborns Stellvertreter diesen von 1989 bis 1994 als ehrenamtlichen Bürgermeister ablöste, worauf wiederum Hans Fischer folgte, der zuvor Hennigs Stellvertreter gewesen war. Ein brillantes Sinnbild für die ereignisreiche Stolberger Kommunalpolitik und eine Erinnerung daran, „dass der Kompromiss ein wesentlicher Teil der Demokratie ist“, sagt Grüttemeier, „ein Beweis, dass wir gemeinsam viel bewegen können.“

Prägnant geht Grüttemeier auf Herausragendes aus den Amtszeiten seiner Vorgänger ein. „Ehrliche Bescheidenheit“ und „hohes soziales Verantwortungsbewusstsein“ bescheinigt er Hans Fischer, dessen Amtszeit von seinemMotto „mit Herz und Verstand“ geprägt gewesen sei. Als „bürgernah, glaubwürdig und authentisch“ wird eine Persönlichkeit beschrieben, die „bleibende Spuren hinterlassen“ hat. Soziales, Sport und Jugend habe Fischer bei seinem vielfältigen Engagement besonders am Herzen gelegen.
Wolfgang Hennig habe in seiner aktiven Zeit „viele wegweisende Projekte angelassen, begleitet und umgesetzt“, sagt Grüttemeier und nennt beispielhaft die Umwandlung des Militärlagers Camp Astrid in ein Gewerbegebiet, die Umwandlung der L 238n von einer vierspurigen Schnellstraße, die auf einer Brücke den Hammer Bahnhof überqueren sollte, in die heutige Europastraße mit Tunnel, den Bau der K 6n durch den Burgholzer Graben, die Eindämmung der Schwermetallbelastung, die Ausweitung des Bürgerservices im Rathaus und die zur Zeit der Wende entstehende Städtepartnerschaft
mit Stolberg/Harz. „Die Suche nach Ausgleich und partnerschaftlicher Zusammenarbeit waren die Markenzeichen von Hans Fischer und Wolfgang Hennig“, der auch Gefallen an seinem Platz in der Galerie findet: „Hier haben wir in so mancher Sitzungsunterbrechung verhandelt, damit die Ein-Stimmen- Mehrheiten auch Bestand hatten.“ Nur eins gibt ihm zu denken: Eigentlich müssten die Porträts vertikal statt horizontal aufgehängt sein, „denn jeder hat immer auf der Arbeit des anderen aufgebaut“. Das gelte auch für die beiden folgenden Ex-Bürgermeister Hans-Josef Siebertz (1999-2004) und Ferdi Gatzweiler (2004-14), die als Ratsmitglieder bei der Einweihung anwesend sind.

Die Galerie weist Löcher auf: Bilder von Eduard Voß (August 1945 bis März 1946, danach Stadtdirektor bis Ende 1957), Peter Conrads (1946–48), Peter Meuser (1948–50) und Nikolaus Vonderbank (1950– 52) fehlen. Das Bild von Engelbert Regh (NSDAP) wird nicht gezeigt. Wann die Reihe komplettiert werden kann, ist offen.
az-b2-20161110