Text: Dr. Max Hamburger

jüngere Generation trägt keine Verantwortung für die verbrecherische Vergangenheit des Holocausts, aber sie trägt eine grosse Verantwortung für ihren Umgang mit dieser. Es hat mich daher sehr gefreut zu erleben, wie der junge Künstler Rafael Ramírez sich mit grösstem Respekt dem Holocaust und seinen Opfern gegenüber mit hingebungsvoller Sorgfalt und tiefstem Einfühlungsvermögen in seiner Arbeit genähert hat. In den vielen Gesprächen, die wir über meine Erfahrungen in Auschwitz und Buchenwald hatten, beeindruckte ihn vor allem meine Aussage, dass ich Gott in Auschwitz fand. Gott war wirklich bei uns, den Verdammten, Geschmähten, Erniedrigten, den zum Tode Verurteilten, dort, wo wir trotz aller Schrecken, Ängste noch imstande waren auch für den anderen Mitgefangenen da zu sein und zu sorgen. Wer Gott nicht im Anderen fühlen kann, kann ihn nirgends finden. Diese tiefe Menschlichkeit, die die Opfer des Holocausts jener von Menschen geschaffenen Hölle entgegenstellten, diese Menschlichkeit, blieb mir als eine der eindringlichsten Erfahrungen in Erinnerung und erkenne darin eine wesentliche Verbundenheit Gottes mit unserem Volk.
Diese wichtige Erkenntnis, dass nämlich die Präsenz Gottes, oder wie es Rafael Ramírez mir gegenüber ausgedrückt hat, “der göttliche Funke” im Menschen, sogar in der Hölle von Auswitz zum Guten, Altruistischem inspirieren und diese wirkende Präsenz Gottes in sich selbst, aber auch in den anderen Opfern des Holocausts gespürt werden konnte, wurde so zum Thema des Malers und Freundes Rafael Ramírez in seinem mir gewidmetem Holocaustzyklus. Auf diese Weise ist Rafael Ramírez zu meinem Bundesgenossen geworden, der meine Erfahrung den kommenden Generationen in seinen Bildern auf seine künstlerische Weise weitergibt, um mit dieser Erkenntnis die schwere Bürde der Verantwortung des Nichtvergessens tragen zu helfen und sie mit dieser Erkenntnis zum Positiven zu inspirieren. Der Tod hat nicht das letzte Wort, das hat mich Auschwitz gelehrt. Es ist wichtig, dass die Nachwelt dieses Legat niemals vergisst. Es ist wichtig, dass den unzähligen Opfern immer wieder gedacht wird, in ihnen allen lebte dieser “göttliche Funke”, so wie es Rafael Ramírez künstlerisch in seinen Bildern formulierte. Ich freue mich sehr über die Dedikation seines Holocaustzyklus und möge dieser Zyklus den kommenden Generationen nur zum Positiven inspirieren.

Dr. Max Hamburger