Hans V. Khevenhüller als Kunstliebhaber

Text: Alfredo Alvar_Ezquerra

Eine der interessantesten Facetten Hans V. Khevenhüllers in Spanien ist zweifellos seine Leidenschaft für die Kunstsammlung. Er hat viele Kunstwerke gesammelt, sie für sich selber oder für Dritte erworben. Von all dem hinterlässt er viele Aufzeichnungen in seinem Geheimen Tagebuch und verschiedene historische Spuren.
Nach der Auffassung von Jiménez Díaz[1] befinden sich die meisten Kunstwerke und Wertsachen von Hans V. in seinem Haus in Arganda in der Nähe von Madrid. Auf jeden Fall fand man dort das Tafelgeschirr und Silberbesteck, die er vom Kaiser Maximilian II. als Geschenk erhalten hatte und die später vom Herzog von Uceda nach dem Tode des Botschafters (und die vom König Philipp III. an den König von Persien weiterverschenkt wurden).
Des Weiteren befand sich im Hause ein böhmisches Tafelgeschirr aus Jaspisporzellan ein weiteres Geschenk, das er 1589 von Rudolf II. erhielt, nachdem das Atelier von Ottavio Miseroni in Prag eingerichtet wurde.


Nach seiner kurzfristigen Reise, die er mit dem Ziele machte den Kaiser wegen seines Eheverzichts zu rügen, brachte er eine Uhr und einen Schreibtisch mit, ein Geschenk von Maria von Bayern (Witwe des Erzherzogs Karl) und die er später an Isabel Clara Eugenia weiterverschenkte. Rudolf II. schenkte ihm außerdem eine Uhr in Form eines Pfaus, der um 12 Uhr seinen prächtigen Schwanz öffnete und sich bewegte. Dazu erhielt er auch noch Gemälde von Fischereien und Jagden.
Weiterhin ist es möglich, dass an den Wänden von Agranda (oder seines Hauses in San Pedro, Madrid) verschiedene Nachbildungen der Gemälde hingen, die er nach Prag verschickte. So weiß man, dass er eine Nachbildung der Büste Kleopatras und des Gemäldes des Parmigianino veranlasste, die er an Rudolf II. schickte.
Sein Herr schenkte ihm Gemälde mit Landschaften (in der Geschichte dokumentiert) und er erwarb verschiedene Kunstwerke in Venedig. Er schickte eine Darstellung der Neun Musen und Helenas Raub von Madrid nach Prag.
Beim Durchlesen seiner Schriften oder sogar in seiner Korrespondenz stößt man immer wieder auf Berichte, die ihn als Kunsthändler charakterisieren. Es wird ersichtlich, dass er etwas von Kunst verstand oder in diesem Sinne sehr gut beraten wurde. Durch seine soziale Stellung erlangte er Zugang zu den besten Sammlungen innerhalb (königliche Kunstsammlung, die vom Herzog von Lerma) und auch außerhalb Spaniens, im Reich, in Venedig, Mailand und Flandern. Es besteht auch kein Zweifel, dass er alle großen Künstler der Renaissance kannte und dass er die Renaissance wahrhaft „miterlebte“, dies beweisen die Dekoration in seinem Haus oder die Gestaltung seiner Gärten. Aber da ist noch viel mehr. Nachfolgend ein kurioser Hinweis der als Anekdote gelten soll:
In der Tat gibt es eine Kostenrechnung die von Juan Diego Flecamer (Fleckhamer), Sekretär des Erzherzogs Albert, erstellt wurde und wo die zwischen 1597 und 1606 in Flandern entstandenen Kosten, auf Wunsch von Khevenhüller aufgeführt werden:

1598 reiste er zwei Mal nach Antwerpen und Gent, „um mich über die Preise verschiedener Gemälde, sowohl Freskogemälde wie Ölgemälde jedes Genres zu informieren: Jagdszenen, Perspektiven, Landschaften, Gärten und ähnliche; er wollte sich vergewissern, dass alles in Ordnung sei und nach Wunsch seines Herren ausgeführt werde“. Um bessere Informationen zu erhalten „hatte ich verschiedene Maler und Fachmänner dieser Kunst zu Gast, wobei ich mich gleichzeitig auch noch über die Preise der verschiedenen Stoffe und Leinwaren informierte.“ Die Kosten bezogen sich auf 30 Felipes.
1598 „sandte ich an Seine Hochwohlgeboren eine große Kiste als Kuriosität, die voller verschiedener kölnischer Töpfe und Vasen, und anderen in Spanien nicht erhältlichen Gegenständen war, und bin mir sicher, dass sie auch heutzutage in Spanien immer noch nicht zu finden sind, die mich samt Verpackung und sonstigen Kosten…“ 52 Felipes gekostet haben.
Am. 30. Januar 1600 „sandte mir Seine Hochwohlgeboren zwei verschiedene Muster oder kleine Modelle, damit ich die Herstellung von zwei Baldachinen aus feiner Tapezierarbeit beauftragte. Zu diesem Zwecke musste ich den Maler aus Antwerpen kommen lassen, damit er gemeinsam mit den Tapezierkünstlern die Modelle verglich und sicherstellte, dass die großen Muster mit höchster Sorgfalt befolgt wurden. Daher war der Maler bei mir im Haus und ihm wurde seine Arbeit entsprechend bezahlt, er war bei mir während sechs Wochen zu Tisch, diese Kosten wurden von mir übernommen, ich habe sie Seiner Hochwohlgeboren niemals aufgelastet, wobei jeder die ihm gebührigen Kosten übernahm.“
Am 2. August des besagten Jahres „bin ich nach Antwerpen gereist, um im Namen Seiner Hochwohlgeboren acht Gemälde in Auftrag zu geben, welche die Taten Ihrer Erhabenheit [dem Erzherzog Albert] wiedergeben sollten, und die Seine Hochwohlgeboren Don Juan Carrillo übergab, ich war dazu mit einem Diener während acht Tagen außer Haus und was mich“ 12 Felipes kostete.
Er machte eine weitere Reise am 12. März 1602 um sich über die Preise der Stoffe, Leinwaren, Tischtücher, Servilletten und Spitzen zu informieren. Er sandte Muster aller Stoffe und die Kosten beliefen auf 8 Felipes.
Weitere Kosten entstanden 1603 durch „Tapezierarbeiten mittlerer Güte mit grotesken Stickereien, wie sie in Brüssel üblich sind, verschiedene Reisen mit Diener und Pferden, 17 Felipes“.
Am 6. Oktober 1604 reiste er nach „Hingien um zwei gewöhnliche Tapeterie-Kammern mit Stickereien über Gärten und Nymphen zu kaufen. 6 Felipes“.
Am. 25. Oktober 1604 reiste er nach Gent um einen Wandteppich „der eine römische Geschichte darstellte zu kaufen. Die Kosten beliefen sich auf…“ 8 Felipes.
„Am 16. November des besagten Jahres, bin ich nach Antwerpen gereist, um für Seine Hochwohlgeboren zwei feine Wandteppiche zu kaufen, die die Geschichte von Kyrus und Escipion darstellten, wobei ich während der Hin- und Rückreise“ 9 Felipes ausgab.
Der Kunstagent schrieb folgendes: „Die letzten fünf Wandteppiche wurden 1605 an Seine Hochwohlgeboren gesandt“.
„Am 28. Oktober des besagten Jahres [1605] schrieb mir Seine Hochwohlgeboren aus Valladolid und bat um zwei weitere Wandteppiche, so reiste ich nach Antwerpen, aber sie waren nicht fertig, wobei mich die Reise“ 6 Felipes kostete.
Somit wurden für die Angelegenheiten „Seiner Hochwohlgeboren“, d.h. also von Hans V. Khevenhüller, 348 Felipes von 1597 bis 1606[2] ausgegeben.

In Anbetracht dieser langen Kostenliste wird klar, dass Hans V. über internationale Spenden verfügte, um die Kunstgegenstände zu erwerben, die er später zu seinen persönlichen Vergnügen oder als diplomatische Geschenke verwendete.
1593 erwarb er drei Ölgemälde in Venedig. Sie waren von dem Künstler Jacopo Tintoretto. Das erste Gemälde war ein Porträt seines Auftraggebers in Mitten einer religiösen Szene: Die Krönung der Jungfrau Maria, im Vordergrund stehen St. Petrus, Johannes der Täufer und Hans V. auf den Knien mit den Merkmalen des Ordens des goldenen Vlieses. Khevenhüller veranlasste, dass dieses Gemälde seine Begräbniskapelle bei den Hieronymiten präsidieren solle, so wie es in seinem Testament zu lesen ist und dass die Kappelle fortan den Namen „Kappelle der Krönung der Jungfrau Maria“ tragen solle. Er beschreibt dieses Gemälde in seinem Testamentsnachtrag und es handelt sich auf keinen Fall um das Gemälde der Chiesa dei Ognisanti in Florenz.
Wie Sie sehen, können einige dieser Errungenschaften nachverfolgt werden, andere wiederum nicht. Nachstehend gebe ich eine schriftliche vollständige Preisabhandlung wieder, die per Korrespondenz abgehalten wurde. Denn wie das spanische Sprichwort sagt: „Worte werden vom Wind verweht, das Geschriebene bleibt jedoch stehen“. Daher sollte man beim Schreiben Vorsicht walten lassen.
Die Endphase dieser Abhandlung fand 1601[3] statt: Im Frühling dieses Jahres diskutierte und feilschte Hans V. mit Pompeo Leoni, einer der großen Künstler am Hofe vom Philipp II., den Verkauf einer Danae (die zur Kunstsammlung von Antonio Pérez, später Kristina von Schweden gehört hat und sich heute in der Galerie Borghese in Rom befindet) und einer wunderschönen Io (Antonio Pérez, Leoni, Rudolf II., heute im kunsthistorischen Museum), beide von Correggio, die ehemals von Karl V. genossen wurden. Die Abhandlung war ziemlich hart und wurde schließlich mit einer Preis-ermäßigung von 1.000 auf 800 Dukaten und auf einen Endpreis von 600 Dukaten geschlossen. Da ich sie für äußerst interessant halte, habe ich sie vollständig im Anhang wiedergegeben.
Nach dem Tode der verwitweten Kaiser-Mutter Maria (1603) im Konvent las Descalzas war der Wiener Hof praktisch abgewrackt und die Beziehungen zwischen Madrid und Prag waren durch die Auflösung der Verlobung zwischen Rudolf II. und Isabel Clara Eugenia (Tochter von Philipp II.) eingefroren. Mit einem Kaiser, der sich in einem bedauernswerten Geisteszustand befand, bestand die Rolle seines Botschafters in Madrid nunmehr darin „vom König die den Launen des Kaisers entspringenden Wünsche zu erlangen, die ihm von der Galerie und der Kunstkammer vom Schloss in Prag bestellt wurden“[4].
Daher ist es nicht erstaunlich, dass Khevenhüller, als gut vorbereiteter und ge-schickter Verhandler in Staatsangelegenheiten, sich manchmal in seiner Korrespondenz in groben Worten an seinen Herren wandte.

Anhang: Danae und Io: Pompeo Leoni und Khevenhüller am feilschen.

Die Preisabhandlung beginnt. Pompeo Leoni lobt die Tugenden der Bilder und nennt einen Preis:

“Hochwürdigster und erlauchter Herr:
In Anbetracht Ihrer Gunst und Gnade bleibt mir nichts Weiteres übrig, als Ihnen mein Bestes anzubieten, und wenn dessen nicht genüge sogar mein eigenes Leben. In Übereinstimmung mit dem was wir gestern in Bezug auf die beiden berühmten Gemälde von Antonio da Corezzo, der Danae und der Io, gemeinsam besprochen haben, muss ich sagen, dass mein Sohn, der Maler, sie ebenso schätzt wie ich und es sehr bedauern wird sich von ihnen zu trennen. Aber da es der Wunsch Seiner Kaiserlichen Hoheit ist und Sie sie von mir beantragen, kann ich mich dessen nicht weigern, so hat sich mein Sohn zu Gunsten des Kaisers zu trösten, wobei ich hoffe das die Gunst und Gnade Seiner Kaiserlichen Hoheit jedoch nicht weniger als achthundert Dukaten beträgt, die mir bei ihrer Anwesenheit der Sekretär Gabriel de Zayas erneut im Namen des Kaisers angeboten hat und wie Sie bereits wissen, sind die besagten zwei Kunstwerke unbeschadet und ihr eigentlicher Wert mehr als tausend Dukaten entspricht und sie es sich Wert sind in kaiserliche Hände zu gelangen, denn zuvor ergötzten Sie die Augen des gloriosen Karl V. und solange ich lebe, sollen sie in keine anderen Hände als die des Kaisers gelangen. So erbitte ich, dass Seine Kaiserliche Hoheit die besagte Gunst und Gnade nach Mailand an Herrn Juan Bautista Capelo übergibt, der von mir dazu ermächtigt ist die Summe in Empfang zu nehmen und die besagten Gemälde zu übergeben.
Möge der Herrgott Sie beschützen und als dessen ehrwürdige Diener soll unser Haus Gottes Hause sein, den 25. April des Jahres 1601.
Küsse die Hände Seiner Hochwohlgeborenen.
Ihr ergebener Diener, Pompeo Leoni
[Umseitig] An den hochwürdigsten und erlauchten Grafen von Franckhenburg, Ritter des Ordens des goldenen Vlieses, des Hofes Seiner Kaiserlichen Hoheit und Botschafter in der Nähe der Katholischen, usw.
[Mit anderer Handschrift:] Pompeo Leoni, über die zwei Gemälde von Antonio da Corezzo, die Danae und Io darstellen. Madrid, den 25. April 1601” [5].

Antwort von Khevenhüller:
„Ich habe Ihre Beschreibung der beiden Gemälde von Antonio da Corezzo der Danae und Io erhalten. Euer Gnaden sollte nicht von achthundert Dukaten sprechen, denn unser Kaiser wird auf keinen Fall mehr als sechshundert Dukaten für die Gemälde zahlen, auch wenn es Originale sind, die an Sie in Mailand ausbezahlt werden, wobei ich auf Ihren festen Beschluss warte, welchen Sie am Rand dieser Notiz beifügen können. Im Hause, den 25. April 1601“
Kevenhüller [Unterschrift und Namenszeichen]

Antwort von Pompeo Leoni:
[Am Rand] Euer Gnaden erweist mir in allem eine große Ehre sowohl auch in dieser für meine Antwort gedachten Stelle[6] und so, den Anweisungen Ihrer Hochwohlgeborenen folgend, habe ich mich vor Seiner Kaiserlichen Hoheit bereits zutiefst zu Boden gebeugt und kann mit aller Ergebenheit die sechshundert Dukaten nicht annehmen, dennoch ist es für diesen armen alten Mann eine Ehre, Seiner Kaiserlichen Hoheit all seine Besitztümer anzubieten, dir mir nur durch seine Gnaden gehören, so bitte ich Seine Kaiserliche Hoheit und Euer Gnaden, den Preis von achthundert Dukaten anzunehmen, denn wie Euer Gnaden weiß, habe ich diese abgelehnt als der Sekretär Zayas sie mir angeboten hat, und es wäre mir nun recht geschehen, aber mein Sohn hängt derart an den Gemälden, dass ich mich dazu gezwungen fühlte, welche ich bis zu meinem Tode als echt verteidigen werde. Daher bitte ich Euer Gnaden ein guter Vermittler zu sein, und appelliere an Eure und Seiner Kaiserlichen Hoheits Güte mir gegenüber, dass sie nicht an Kleinigkeiten hängen bleibe, den diese Gemälde sind wahrhaft des Kaisers würdig, der sein tatsächlicher Herr und Meister ist. Möge der Herrgott Sie dem Wunsche Ihres ehrwürdigen Dieners entsprechend beschützen. Am heutigen Tage, dem 26. April 1601.
Küsse die Hände Seiner Hochwohlgeborenen.
Ihr ergebener Diener, der Ritter
[Umseitig] Pompeo Leoni” [7].

Antwort von Khevenhüller:
„Sollten Sie mit dem Preis von sechshundert Dukaten für die Gemälde der Danae und Io von Antonio da Coreggio nicht einverstanden sein, gibt es weiterhin nichts mehr zu besprechen, ich erwarte eine diesbezüglich klare Antwort von Ihnen (ohne Verzierungen und Komplimente). In Ihrer aktuellen Situation sollten Sie sechshundert Dukaten nicht unbeachtet lassen. Den 27. April 1601.
Kevenhüller [Unterschrift und Namenszeichen] “

Antwort von Pompeo Leoni:
“[Am Rand] Obwohl Euer Gnaden mir empfiehlt mich mit den sechshundert Dukaten abzufinden, bin ich mit aller Ehrerbietung an Seine Kaiserliche Hoheit und Euer Gnaden weiterhin der bescheidenen Meinung, dass die zwei Gemälde nicht nur die achthundert von Ihnen gebotenen Dukaten sondern über tausend Dukaten wert sind, daher verbleibe ich bei dem in der ersten Notiz vorgeschlagenen Preis; aber ich erkläre, dass die Gemälde ab heute im Besitze Seiner Kaiserlichen Hoheit sind und bitte um deren Abholung, obwohl ich ein armer Mann bin, wird mich diese Übergabe an den Kaiser ewig bereichern. Möge der Herrgott Sie beschützen. Im Hause, Ende April 1601.
Der Ritter Pompeo Leoni.
[Umseitig] Pompeo Leoni” [8].

Khevenhüller informiert:
“Was ich mit Pompeo Leoni ubre seine zway gemehl vons Antonio Correggio handen, das ain von ainer Danae und das ander von ainer Yo tractiert, werden Euer Kay.Mat aus dem Beyschluss allergenedigist vernemen. Habe alle möglichen weg praucht, ihn zur pillichkhait zu brinden, hat aber Ander 800 ducaten khaines ges haben wellen. Es ist ain feindtlich scwärer, mieder und interessierter Mann. Ich pin warheit zu sagen etwas unlustig über seine terminus worden. Was nun Euer Kay.Mt.weiter hieriber verordnen, dem sole wie allen andern gehorsamist nachgelebt warden. Das Thierle, darvon Erzherzog Maximilian Euer Kay.Mz. gesagt, haist man Zebra, ist frembd und selzam del tan mano d euna mulilla pequena, dizen que suelen enprenar del ayre. Habs pishero nit abmalen lassen, umb willen ich noch allzeit hoff und im werckh pin, colches für Euer Kay.Mt. zu bekhommen”, usw.
Brief Nr. 12 von 1601. Madrid, 30-IV-1601[9].

„Gestern sah Seine Kaiserliche Hoheit die zwei Gemälde von Leda und Ganymed, die danach an Eugenio Cajés weitergeleitet wurden, damit dieser sie beendet, der Kaiser sah auch was von Nashorn [sic] und vom Elefanten vorhanden war und verordnete, dass man beide an Euer Gnaden weiterleitet. Ich machte den Versand auf Stelle, er bestand aus dem stumpfen Horn des Nashorns, das man in Lissabon wegen dem damit verursachten Schaden abgeschnitten hatte und daher nicht weiter gewachsen war, und zwei Stoßzähne und vier Backenzähne des Elefanten, und ein Walrossschädel mit zwei Stoßzähnen, wahrhaft sehenswert und beachtlich.
Die Haut des Nashorns konnte nicht gefunden werden. Der Herzog von Lerma hat mich gebeten, sie mit Eifer zu suchen und laut meinen Untersuchungen, war die Haut nicht mehr brauchbar, da sie nicht rechtzeitig geputzt wurde, ist sie mit Würmern aufgeschwollen und ging daher verloren. Ich glaube aber nicht, dass das der Wahrheit entspricht, meiner Meinung hat jemand [sic] sich die Haut zu nutzen gemacht, denn es ist unmöglich, dass sie derart vollkommen verschwunden ist ohne jegliche Spuren zu hinterlassen.
Im Gartenhaus der Priorin sind viele Nashornknochen gelagert.
Sollte Euer Gnaden wünschen, dass einige davon oder alle an Sie gesandt werden, wird es so geschehen.
Den 6. Dezember 1603.

[Am Rand]
Heute wurden mir in Ihrem Namen das stumpfe Horn eines Nashorns, zwei Stoßzähne und vier Backenzähne des Elefanten, und ein Walrossschädel mit zwei Stoßzähnen übergeben, ich bedauere es sehr, dass die Haut des Nashorns nicht gefunden wurde, bin mir sicher, dass es dem von Ihnen beschriebenen Schicksal unterlegen ist.

Des Weiteren bitte ich Sie auch die restlichen Nashornknochen an mich weiterzuleiten, damit ich sie gemeinsam mit den anderen Knochen, die ich heute von Ihnen erhalten habe, an meinen Herrn und Gebieter, dem Kaiser weiterleiten kann, was für mich eine große Ehre sein wird. Den 6. Dezember 1603.

Brief von Antonio Voto an den Botschafter des Kaisers s. l., Valladolid.
Haus, Hof und Staatsarchiv, Spanien. Diplomatische Korrespondenz, 13/11, fol. 2r.